Geschichte Indonesiens
Die Besiedlung Indonesiens reicht in die frühe Menschheitsgeschichte zurück. Für das erste Jh. v. Chr. ist der Umgang mit Kupfer, Bronze und Eisen nachgewiesen. Der Schiffsbau ermöglichte es bald, einen regen Handel mit anderen Ländern, besonders Indien und China, zu treiben. So gewannen die indische Hochkultur sowie der Hinduismus und Buddhismus Eingang und Verbreitung in der indonesischen Inselwelt. Der friedliche Austausch förderte die Entwicklung einer höfischen Kultur nach indischem Vorbild: Sprache, sakrale Bauten, Literatur, und Sanskrit wurden besonders von den Herrschenden übernommen. Die Staaten an den Küsten waren auf die Kontrolle der Handelsrouten und der für den Handel wichtigen Städte konzentriert und bezogen ihren Reichtum aus den Wirtschaftsbeziehungen mit anderen Ländern. Fürstentümer, die über ein geschlossenes Territorium mit Agrarland verfügten, erlangten durch Bewässerungssysteme eine große kulturelle Blüte.
Ab Mitte des 7. Jhs. gewann im Süden Sumatras das Reich Sri Vijaya als Handelsstaat überregionale Bedeutung. Es konnte den Seeverkehr von Indien nach China kontrollieren.
In Zentral- und Ostjava entwickelte sich vom 8.-9. Jh. eine Dynastie, die als Blütezeit der mitteljavanischen Periode betrachtet wird. In dieser Zeit entstanden die großartigen buddhistischen Bauwerke wie der Borobudur sowie weitere Tempelanlagen.
Aufstieg von Malakka
Ab dem 10. Jh. verlagerte sich die Entwicklung nach Ostjava. Aus den verschiedenen Reichen auf Java ging im 13. Jh. das mächtige Majapahit-Reich hervor. Der Fürstenhof Kraton (Ort des Herrschers) wurde zum Zentrum von Kunst und Kultur. Anfang des 15. Jhs. lösten sich die Vasallenstaaten am Rande des Reiches los und auf der malaiischen Halbinsel erwuchs der Stadtstaat Malakka (1403-1511). Malakka wurde zum reichsten Seehafen der Welt mit einer Blütezeit der malaiischen Kultur. Die Entwicklungen Malakkas gingen einher mit einer zunehmenden Islamisierung durch den Handel. Nur Bali und einige unzugängliche Gebiete im Inneren der Inseln blieben von der Wirkung des Islam unberührt. Der Übertritt zum Islam brachte vielen den Anschluß an die großen Fortschritte in den arabischen Wissenschaften mit der Waffentechnik, der Verwaltung, der Mathematik, der Astronomie, Geographie und Medizin. Die Ankunft der Kolonialmächte veränderte die Machtverhältnisse drastisch.
Europas Einfluss in Indonesien
Anfang des 16. Jhs. kamen die Portugiesen und die Spanier nach Südostasien. Hauptziel waren die Gewürzinseln, die Molukken, die Portugal bald unter seine Herrschaft bringen konnte und ihm ein Handelsmonopol einbrachten. Ende des 16. Jhs. tauchten die Niederländer als Rivalen in der indonesische Inselwelt auf. Um die konkurrierenden Handelshäuser zu vereinigen, wurde 1602 die “Vereinigte Ostindische Compagnie” (V.O.C.) gegründet. Sie erhielt das Monopol über den Handel zwischen Südafrika und Südamerika sowie viele Hoheitsrechte. Dies ermöglichte der V.O.C., Bündnisse und Verträge zu schließen, Territorialbesitz zu erwerben und Festungen und Handelsstützpunkte auszubauen. Auch eine Armee konnte ausgehoben werden. Zunächst sicherte sich die V.O.C. durch Verträge und Ausnutzung der Machtkämpfe der indonesischen Herrscher ihr Monopol. Sie band die führenden Schichten durch Profitbeteiligung an sich.
Die Holländer setzen sich durch
1641 konnte das portugiesische Malakka erobert werden, dadurch war auch der Handel zwischen Ost und West monopolisiert. Die chinesischen Händler in den Küstenregionen erhielten wichtige Funktionen im Zwischenhandel. Die lokale Bevölkerung verarmte unter der Steuerlast und den diktierten Preisen. Die Anpflanzungen wurden je nach Weltmarktlage und Preisen beliebig verändert. Strafexpeditionen, bewußte Vernichtung von Anpflanzungen und Sklaverei waren Grundlage der Handelsherrschaft. Im Laufe des 18. Jhs. gingen allerdings die Profite zurück, Mißwirtschaft, Korruption und Betrug sowie die Kosten für die immer aufwendiger werdende Gewaltherrschaft brachten die V.O.C. an den Rand des Ruins. 1799 übernahm der neue niederländische Staat die V.O.C., die einen Schuldenberg von 134 Mio. Gulden hinterließ. In der jungen Republik der Niederlande begann eine Diskussion über die koloniale Mißwirtschaft der V.O.C. 1807 wurde ein Generalgouverneur entsandt, der das Kolonialsystem reformieren sollte. Er strukturierte die Verwaltung neu und modernisierte das Post- und Verkehrswesen. Gleichzeitig aber wurde das Zwangsarbeitssystem eingeführt, alles Land zum niederländischen Staatsbesitz erklärt und viele Einheimische für die Rekrutierung der Armee eingezogen. Die Ausbeutung verschlimmerte sich, man trug die Schulden der V.O.C. ab. In den Jahren 1831-1877 wurde ein Reingewinn von 823 Mio. Gulden aus Indonesien erwirtschaftet. Anfang des 19. Jhs. konnten für kurze Zeit die Briten Java erobern. Doch schon 1816 kehrten die Niederländerzurück.
Das 19. Jh. war durch viele blutige Unruhen und Kriege im Westen des Inselreiches gekennzeichnet. 1870 ermöglichten Agrargesetze die Aktivitäten von privaten Unternehmern. Jetzt gehörten die Plantagen nicht mehr dem Staat, sondern einzelnen Personen oder Gesellschaften. Die Kolonialpolitik geriet unterdessen auch in den Niederlanden in die Kritik. Der 1860 erschienene Roman “Max Havelaar”, deckte die ganze Problematik auf Java auf. Es wurde eine “ethische Politik” entwickelt, mit einem einfachen Bildungs- und Gesundheitssystem für die Bevölkerung. Der Abbau der Zwangsbewirtschaftung begann, und Einheimische wurden für die Verwaltung ausgebildet.
Die Anfänge der Unabhängigkeit
Anfang des 20. Jhs. war das Klima in Indonesien schon von Nationalismus geprägt, besonders gefördert von einer Vereinigung Studierender sowie von islamischen Reformbewegungen. Auch die kommunistische Bewegung wuchs in Indonesien stark an. Doch die verschiedenen Aufstandsbewegungen wurden von den Niederlanden schnell wieder zerschlagen. 1927 gründete Sukarno die Partai Nasinonal Indonesia (PNI). In ihr sollten sich die Hauptströmungen Islam, Nationalismus und Kommunismus vereinigen. Dieser Partei schlossen sich immer mehr Organisationen an, die für die Einheit und Unabhängigkeit kämpften. 1928, während des zweiten Gesamtindonesischen Jugendkongresses, verpflichteten sich die Teilnehmenden diesen Zielen. Dort wurde erstmals die spätere Hymne Indonesiens gespielt, ab da wurde als Nationalsprache Bahasa Indonesia eingeführt.
Mit dem Überfall der Japaner auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 begann der Pazifische Krieg. 1942 überfiel Japan Indonesien und besetzte innerhalb weniger Wochen alle Inseln. Zunächst wurde Japan von den Indonesiern als Befreier von der niederländischen Kolonialmacht begrüßt. Doch beutete Japan Indonesien rücksichtslos aus. Als sich Japans Niederlage abzeichnete, versprach der japanische Ministerpräsident 1944 die Unabhängigkeit. Am 17. August 1945, zwei Tage nach der Kapitulation Japans, proklamierten Sukarno und andere führende Politiker die Unabhängigkeit.



